Der erste Schritt ist schwer

Raúl Krauthausen gründete den Verein Sozialhelden. Hier sagt er, wie man ein Hilfsprojekt so angeht, dass es nicht nach kurzer Zeit verschwindet

Herr Krauthausen, Sie sind Rollstuhlfahrer – da liegt es nahe, dass Sie eine App entwickelt haben, mit der man rollstuhlgerechte Orte findet. Angefangen haben Sie aber ganz anders ...

Mein Cousin und ich wollten uns engagieren, fühlten uns aber nirgends zugehörig. Das, was wir vorhatten, gab es nicht: Wir wollten einen niedrigschwelligen Einstieg in soziales Engagement, modern kommuniziert und mit leichtem zivilem Ungehorsam. So wie Greenpeace, nur für soziale Themen. Und natürlich viel kleiner. Ungefähr wie die Pfadfinder, nur ohne religiösen Hintergrund.

Dann hatten Sie die Idee mit den Pfandbons, die man spendet: »Pfandtastisch helfen«. Eigentlich bestechend einfach.

Na ja, wir haben uns erst einmal gefragt: Wie baut man so etwas auf? Wir hatten ja keine Ahnung. Weder wussten wir, wie man betriebswirtschaftlich denkt, noch wussten wir, wie man Pfandboxen baut. Natürlich wussten wir auch nicht, wie man Supermärkte anspricht.

Raul Krauthausen Raul Krauthausen

Raúl Krauthausen bei einer Jury-Sitzung der Google.org Impact Challenge. Weil er Glasknochen hat, braucht er einen Rollstuhl.

Wie haben Sie angefangen?

Wir haben aufgeschrieben, was wir alles nicht wissen. Daraus haben wir dann Stellenprofile für Ehrenamtliche definiert: Wir brauchen jemanden, der sich mit Buchhaltung auskennt. Wir brauchen jemanden, der Produktdesigner ist und weiß, wie man diese Pfandboxen baut. Wir brauchen jemanden, der weiß, ob das Ding aus Holz, aus Aluminium oder aus Plastik sein muss. Und dann haben wir uns mit unheimlich vielen Leuten getroffen, die Experten in ihrem Bereich waren. Viele sind geblieben und haben die »Sozialhelden« mitgegründet.

Ihre Erkenntnis aus diesem Projekt?

Wenn du Dinge nicht kannst, dann such dir Leute, die sie können. Es ergibt keinen Sinn, sich als Designer mit dem Vereinsrecht auseinanderzusetzen. Es gibt Leute, die das mit derselben Leidenschaft tun, mit der man selbst Designer ist. Diese Leute muss man finden, zusammenbringen und dann auch bespaßen – das ist auch ganz wichtig. Nicht immer nur bierernst mit den Themen unterwegs sein.

Man muss sich beim eigenen Engagement immer fragen: Macht Playstation-Spielen mehr Spaß als die eigene Idee? Wenn es so ist, sollte man Playstation spielen.

Raúl Krauthausen Inklusionsaktivist und Gründer

Spaß und soziales Engagement gehören zusammen?

Unbedingt! Man muss sich, wenn man sich engagieren will, immer die Frage stellen: Macht Playstation-Spielen mehr Spaß als die eigene Idee? Wenn es so ist, sollte man Playstation spielen. Das ist eine ganz gute Messlatte.

Was braucht es noch, damit eine gute Idee wirksam wird?

Wichtig ist zuerst, die Idee klar zu strukturieren. Sie sollten nicht mehr als zwei Sätze brauchen, um die Idee zu erzählen. Dann kommt die Frage, wie das Ganze in fünf Jahren aussehen soll? Auch wenn man nicht gleich einen Businessplan braucht, kann man davon ausgehen, dass man die Idee irgendwann nicht mehr ehrenamtlich fortführen kann. Woher soll regelmäßig Geld kommen? Bei unseren Pfandbons zahlen die Hilfsorganisationen, die über unser Projekt Geld sammeln eine Lizenzgebühr. Davon können wir eine halbe Stelle finanzieren.

Aber der Anfang – wie schafft man den?

Wir haben die ersten Jahre durch Wettbewerbe überlebt: Wir haben den Deutschen Engagementpreis gewonnen, den Bürgerpreis und weitere Preise – damit konnten wir nicht uns, aber zumindest die Idee finanzieren.

Dafür mussten Sie bekannt sein.

Da sind soziale Medien essenziell. Man braucht ein Netzwerk – für den Austausch und um über die eigenen Projekte zu informieren. Das muss man sich nach und nach aufbauen, das geht nicht von jetzt auf gleich. Wir waren jahrelang auf allen wichtigen Konferenzen, die es in dem Bereich gibt. Wir haben Leute getroffen und Visitenkarten gesammelt. Die haben wir archiviert und in unseren Verteiler genommen.

Das klingt sehr mühsam.

Ist es auch. Am schwersten ist trotzdem noch der erste Schritt. Wenn die Leute immer sagen: »Man müsste mal«, dann sage ich: »Ja, dann mach doch!« Oft kommen dann Sätze wie: »Ich weiß nicht, wie das geht. Ich habe kein Geld. Andere können das bestimmt viel besser.« Aber das sind alles Ausreden, weil wir die Herausforderung scheuen. Also: Raus aus der Playstation-Komfortzone!

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Grundlagen verstehen

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Spender finden

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Support bekommen

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Teams organisieren

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Gemeinsam arbeiten

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Unterstützer suchen

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen bietet die derzeit umfangreichste Online-Stiftungssuche.

Fotos: Andi Weiland/Sozialhelden e.V., Patrick Desbrosses; Illustration: Giacomo Bagnara

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