Sichtbar sein und Kunden finden

Wo setzen Händlerinnen und Händler bei ihrer Digitalisierung am besten an? Eine Auswahl nützlicher Websites und Wegweiser

Website und Shop erstellen

Auf einer eigenen Website können Händler ihr Angebot ausführlich vorstellen und auf ihre Social-Media-Präsenzen hinweisen. Wer keine Programmierkenntnisse hat, seine Website aber trotzdem selbst pflegen möchte, greift auf ein Baukastensystem zurück: Mit JIMDO können Händler eine Website oder einen Onlineshop erstellen. Ähnliche Angebote machen weebly.com oder wix.com. Auch Seiten wie shopify.de wenden sich an Händler, die einen Shop im Internet aufsetzen möchten.

Gefunden werden

Wer im Netz gefunden werden will, muss sich zeigen. Am einfachsten funktioniert das, wenn Händler sich mit einer Beschreibung ihres Angebots und ihren Öffnungszeiten auf einschlägigen Portalen eintragen. Für Geschäfte, aber auch für Restaurants eignen sich Empfehlungsportale wie Yelp oder Tripadvisor. Mit einem kostenlosen Unternehmensprofil bei Google My Business werden Händler und ihre Webpräsenz in der Google-Suche oder bei Google Maps sichtbar. So finden Kunden schnell und direkt zu den jeweiligen Angeboten.

Kundenkontakte knüpfen

Händler erreichen potenzielle Kundinnen und Kunden unter anderem in sozialen Netzwerken – beispielsweise mit Produktvorstellungen oder -erklärungen in YouTube-Videos, auf Instagram oder in TikTok for Business. Da viele Menschen online nach Produkten und Dienstleistungen suchen, ergeben Anzeigen in Suchmaschinen Sinn: Mit Google Ads erreichen Händler Kundinnen und Kunden, die in der Google-Suche oder in Google Maps nach Angeboten suchen.

Kundenkontakte pflegen

Wer sich regelmäßig auf sympathische Weise bei Kundinnen und Kunden in Erinnerung ruft, hebt sich von der Konkurrenz ab und setzt Kaufanreize. Zur Kommunikation eignet sich etwa WhatsApp Business: Über diese Version des Messengerdienstes können Unternehmer Chatnachrichten senden. Beim E-Mail-Marketing sind Angebote wie CleverReach nützlich: Mit einem Testaccount können Händler zum Beispiel bis zu 1000 Mails pro Monat an bis zu 250 Empfänger schicken. Aber auch in einer Facebook-Gruppe können Händler Produkte vorstellen und ihre Kunden über die Kommentarfunktion in den Austausch bringen.

Kundenverhalten analysieren

Wie oft wird die eigene Website oder der Onlineshop aufgerufen? Was suchen Menschen online? Webanalyse-Tools wie Open Web Analytics oder etracker nützen beim Erheben und Auswerten der Daten. Während Google Analytics etwa dabei hilft, die Herkunft der Kundschaft zu ermitteln, erlaubt Google Trends einen Blick darauf, was Menschen aktuell suchen.

Wissen erweitern

Wer neue Impulse für den digitalen Alltag sucht, findet viele Weiterbildungsangebote. Die IHKs bieten eine Fülle von Seminaren, etwa zur Nutzerfreundlichkeit von Websites: ihk.de/weiterbildung. Auf der Seite meetup.com erfahren Händler Termine von Branchen-Stammtischen, etwa zum Thema E-Commerce. Die Veranstaltungen finden digital, aber auch vor Ort statt. Gemeinsam mit Partnern startete Google 2017 die Google Zukunftswerkstatt: Die kostenlose Bildungsinitiative umfasst ein großes Angebot an Onlineschulungen. Es lassen sich einzelne Module auswählen oder komplette Kurse belegen. Dabei geht es zum Beispiel um Themen wie »Daten & Technologie«, »Onlinemarketing« oder »Berufliche Weiterbildung«.

Online sein: Die Angebote von Google

Zum Start der Initiative ZukunftHandel führt Google alle Angebote zusammen, die für den Aufbruch im Handel nützlich sein können. Auf g.co/zukunfthandel erfahren Sie mehr zu den Hintergründen sowie zu allen Tools und Websites.

Und wie sieht das dann in der Praxis aus? Drei Beispiele aus Leipzig, Isny und Hamburg

Austausch via Instagram: Wie das Taschenlabel Franziska Klee aus Leipzig Kontakt zur Kundschaft hält

Eine Sonderanfertigung der Tasche »Ana« mit persönlicher Prägung? Zwei personalisierte Reisepasshüllen als eiliges Hochzeitsgeschenk? Florian Bierbaum kennt solche Anfragen. Seit 2017 kümmert er sich für das Label Franziska Klee um die Website und den Auftritt in den sozialen Medien Facebook und Instagram. Bierbaums Frau Franziska Klee gründete das Unternehmen 2015, ihre minimalistischen Taschen und Accessoires aus Naturleder verkauft sie seither im eigenen Webshop. »Online kann man eine Tasche nicht einfach in die Hand nehmen, es gibt immer eine Frage oder Hürde, die einen am Bestellen hindert«, sagt Florian Bierbaum. Anfang des Jahres hat er darum einen WhatsApp-Button auf den Produktseiten integriert. »Wir haben 80 Prozent mobile Nutzer, da ist es nur logisch, auch für den Kontakt zu den Kunden einen Messenger zu nutzen«, so Bierbaum. »Der Austausch ist direkt und intuitiv, das merken wir auch am Umsatz.« Bierbaum und Klee schicken Kundinnen und Kunden häufig Fotos, auch aus dem Herstellungsprozess. Sonderwünsche erfüllen sie gerne, ebenso Eilaufträge. Das Feedback ist dankbar bis überschwänglich. »Die Prägung bedeutet mir ganz viel«, schreibt die Kundin zum personalisierten Exemplar der Tasche: Dort ist mit silberfarbenen Buchstaben die Formel »Einatmen ♡ Ausatmen« eingeprägt.

Soziale Medien wie Instagram nutzen Klee und Bierbaum aber auch, um in Kontakt mit der Community zu bleiben. Bei Neuentwicklungen fragen die beiden Fans nach ihrer Meinung. Beinahe jeden Tag postet Florian Bierbaum Fotos oder Videos, er hat zu diesem Zweck einen Redaktionsplan erstellt. »In den sozialen Medien gibt es keine Einstiegshürden, man meldet sich an, und los geht’s. Trotzdem braucht man eine Strategie, um sich richtig zu präsentieren.«

Website mit JIMDO: Wie die Töpferei Güttinger aus dem Allgäu nun mehr Menschen erreicht

In der Töpferei Güttinger in Isny arbeiten drei Generationen zusammen: Opa Karl töpfert jede Tasse und jeden Brottopf von Hand. Tochter Bettina Güttinger-Merk organisiert Töpfer- und Kunsthandwerkermärkte im Allgäu, am Bodensee und in Vorarlberg. Und als während des Lockdowns alle Märkte abgesagt werden und auch das stationäre Geschäft in Isny geschlossen bleibt, wird mit Melissa Güttinger die jüngste Generation aktiv: Im April startet die Studentin einen Onlineshop für die Töpferei ihrer Familie.

Weil sie die Website jederzeit eigenständig ohne einen Programmierer anpassen möchte, entscheidet sie sich für das Baukastensystem von JIMDO. Im Lauf eines Nachmittags gestaltet sie die Internetseite samt Onlineshop: Güttinger sucht Layout und Farbkonzept aus (»Rosa und Violett, freundlich und einladend«), lädt Fotos hoch, erstellt Unterseiten. Das Einstellen der Produkte in den Shop funktioniert nach dem ähnlichen Prinzip: »Auch hier lädt man Fotos hoch, tippt den Preis und eine kurze Beschreibung ein, und nach ein paar Klicks ist man online«, sagt Melissa Güttinger. »Für die AGB und das Impressum lassen sich Vorlagen nutzen.« Sie kümmert sich seit dem Frühjahr neben ihrem Studium um die Bestellungen und den Versand. Beinahe täglich arbeitet sie an der Webseite, fotografiert Produkte und tauscht Fotos. »Das ist zwar Arbeit, macht aber auch viel Spaß«, so Güttinger.

Während die Kunsthandwerker früher vor allem Kundinnen und Kunden in der Region erreichten, verschicken sie nun deutschlandweit. »Unsere Gartenwichtel hängen jetzt auch auf Usedom«, sagt Melissa Güttinger.

Webpräsenz mit Google My Business: Wie das »Restaurant Krug« auf sich aufmerksam macht

Wer die Begriffe »Gemütliches Restaurant Hamburg« auf google.de eingibt, bekommt als einen der ersten Treffer das »Restaurant Krug« auf St. Pauli angezeigt – »ohne dass wir diesen Platz gekauft hätten«, betont Terry Krug, die das Restaurant seit mehr als zehn Jahren leitet. In ihrem Unternehmensprofil bei Google My Business hat sie Fotos, Öffnungszeiten und Kontaktmöglichkeiten hinterlegt. »Ich bin kein Digital Native, aber die Anmeldung war total einfach«, so Krug. Mit ihrem Unternehmensprofil erreicht sie auch über die Google-Suche und Google Maps potenzielle Gäste – gerade auf Mobilgeräten wird ihr Restaurant dadurch leichter gefunden.

Einmal in der Woche nimmt sie sich Zeit für die Auswertung ihrer digitalen Aktivitäten. Google My Business zeigt Webseitenzugriffe, Fotoaufrufe und Suchanfragen an, für die Kundenanalyse nutzt Krug außerdem Google Analytics.

»Wir sehen, dass die Nutzer auf unserer Website im Lauf der Jahre jünger geworden sind«, sagt Terry Krug. »Auf Basis solcher Informationen passen wir die Strategie unseres Restaurants ständig an und bleiben attraktiv für unsere Gäste. Zum Beispiel haben wir angefangen, eigene Produkte zu entwickeln: Unser selbst gemachter Wermut aus mehr als 30 Ingredienzen ist unser Topseller.«

Während des Lockdowns richtete sie einen Lieferservice ein, den sie über Google My Business und ihre Social-Media-Kanäle kommunizierte. So musste sie ihre Mitarbeiter nicht komplett in Kurzarbeit schicken und blieb mit vielen Kundinnen und Kunden in Kontakt, die sich über die rege Aktivität ihrer Lieblingswirtin freuten. »Die danken uns das bis heute, dass wir ihnen den Lockdown verschönert haben«, sagt Terry Krug. Weil ihre Speisekarte täglich wechselt, sei ein Lieferservice auf Dauer allerdings zu aufwendig – »unsere Gäste kommen aber ohnehin lieber zu uns«.

Text und Protokolle: Greta Sieber; Illustration: Stefan Mosebach; Logos: Instagram, Jimdo, Google

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