Der Mangel ist groß

Raffaela Rein suchte einst vergeblich nach Fachkräften fürs Digitale. Heute bildet sie selbst UX Designer aus

Woher nehmen? Das war die Frage, die sich Raffaela Rein 2014 stellte. Sie sollte für ihren Arbeitgeber 150 Webentwickler einstellen, fand aber niemanden. »In der Software-Entwicklung ist der Fachkräftemangel groß«, sagt Rein.

Raffaela Rein sah bei ihrer Suche, dass es keine grundständige Ausbildung für Webentwickler oder User Experience Designer gibt (die einen bauen Webseiten, die anderen gestalten sie). Der Bedarf an Menschen mit digitalen Kompetenzen ist so schnell gewachsen, dass das staatliche Bildungssystem nicht mithielt. Rein besetzte kurzerhand diese Lücke: Gemeinsam mit Martin Ramsin gründete sie das Unternehmen CareerFoundry. Sie bildet Entwickler und Designer aus.

In den USA gibt es schon seit einiger Zeit Kurse, die vermitteln, wie man Apps oder Websites nutzerfreundlich gestaltet. In Europa herrschte in dieser Hinsicht lange Zeit Fehlanzeige. Bis Raffaela Rein zur Gründerin wurde. Sie hat bereits viel Erfahrung im Umgang mit der Digitalisierung. Nach ihrem BWL-Studium baute sie für Rocket Internet Niederlassungen in China, Taiwan und Australien auf. Zurück in Deutschland, stieß sie auf den Fachkräftemangel: Viele Unternehmen entwickeln sich online weiter und suchen händeringend nach Mitarbeitern. Die CareerFoundry hilft, diese Lücke zu schließen.

Taxifahrer wagen den Neuanfang als Entwickler

Im Grunde handelt es sich bei dem Unternehmen um ein Weiterbildungszentrum im Internet. Menschen aus der ganzen Welt können sich in Onlineteilzeitkursen innerhalb von sechs oder zehn Monaten zu Entwicklern ausbilden lassen. Das Besondere: Jeder Student bekommt einen Mentor zugeteilt. »Es ist wie im Fitnessstudio«, erklärt Raffaela Rein. »Mit einem persönlichen Trainer wird das Ergebnis besser.« Wer nicht innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss Arbeit findet, so die Werbung des Unternehmens, der bekommt sein Geld zurück. Kooperationen mit großen Unternehmen helfen CareerFoundry bei der Vermittlung. Die Entscheidung für den Entwickler-Beruf kann tatsächlich ­lukrativ sein. Raffaela Rein berichtet von Einstiegsgehältern zwischen 35 000 und 55 000 Euro brutto im Jahr.

In der Software-Entwicklung ist der Fachkräftemangel groß

Raffaela Rein Gründerin und Ausbilderin

Inzwischen haben sich viele tausend Menschen aus aller Welt mit Raffaela Reins Angebot fortbilden lassen. Die Studenten kommen aus allen Altersklassen und Schichten. »Vor allem in unserem Web-Entwicklungskurs geht es querbeet: Wir haben Taxifahrer, Restaurantmanager oder Callcenter-Mitarbeiter, die bei uns einen Neuanfang wagen«, so Rein, die das Programmieren mit einem ihrer eigenen Kurse lernte. Der Großteil der Studenten ist zwischen 22 und 37 Jahren alt und hat einen Bachelor-Abschluss. Es gibt aber auch die Älteren, die mit Mitte 50 ­einen Neuanfang wagen oder sich in ­ihrem bestehenden Arbeitsverhältnis weiterentwickeln wollen. Raffaela Rein erinnert sich an eine Krankenschwester aus Großbritannien, die ihre 24-Stunden-Schichten leid war. Im Onlinekurs lernte sie das Handwerk des UX Designs. Inzwischen ist sie nach Berlin gezogen und arbeitet als Entwicklerin.

Tatsächlich belegen viele Frauen die Kurse von Rein und ihrem Team. Gerade Mütter oder Alleinerziehende nutzen das Fernstudium und die flexiblen Unterrichtszeiten. »Nie in der Geschichte der Menschheit war es so einfach, Beruf und Leben miteinander zu verbinden«, so Raffaela Rein. Zumindest für die Welt der Softwareentwickler könnte das zutreffen.

Mehr Informationen unter careerfoundry.com.

Foto: CareerFoundry

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