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Bewegte Bilder verändern das Marketing: Immer mehr Unternehmen nutzen YouTube heute dazu, Kunden zu finden, den Wert ihrer Produkte zu vermitteln oder neue Erlebnisse für ihre Fans zu schaffen. Drei Beispiele aus der Praxis

Borussia Dortmund: Auf YouTube neue Geschichten erzählen

Wenn sich Mario Götze und Marco Reus von Borussia Dortmund die Bälle zuspielen, führt das häufig zum Erfolg. So ist es auch auf YouTube: Mehr als 2,2 Millionen Menschen haben sich schon angesehen, wie die beiden Fußballspieler in der Reihe »Wer kennt mehr?« möglichst viele Bundesliga-Torschützenkönige nennen müssen oder im Quiztaxi Schätzfragen beantworten.

Bis vor einem Jahr war YouTube für Borussia Dortmund eine Plattform, auf der überwiegend bestehende Inhalte wie Pressekonferenzen, Spieltagzusammenfassungen oder Interviews veröffentlicht wurden. »Es war Material, das unsere Fans schon woanders gesehen hatten und das teilweise am nächsten Spieltag veraltet war«, erinnert sich Simon Mayr, Leiter Digitales bei Borussia Dortmund.

Gemeinsam mit Athletia Sports, einer Expertenplattform für den professionellen YouTube-Auftritt, sortierte der BVB viele Formate aus. »Das Schlagwort ist Relevanz«, sagt Simon Mayr. »Wir fragten uns, was der Nutzer eigentlich von uns sehen will?« Die Antwort wirkte sich auf die Inhalte der Videos aus. Der Verein konzentriert sich auf Geschichten, die nur er erzählen und zeigen kann – lustige Trainingsszenen zum Beispiel oder außergewöhnliche Rituale von Torwart Roman Bürki oder Marco Reus während eines Spiels (siehe Bild oben). Es entstanden Formate wie das »Quiztaxi« mit Sponsor Opel oder aber die Fragereihe »Das Spiel dauert 90 Sekunden«, in der ein Spieler auf keinen Fall die Worte »Ja« oder »Nein« verwenden darf. Besonders nachhaltig funktionieren laut Mayr Highlightvideos, etwa mit den zehn besten Toren von Marco Reus oder von Spielern, die den Verein verlassen.

Hinter jeder Veröffentlichung steht der Anspruch, »Fan Experience« zu schaffen: »Das intensive Fußballerlebnis beim BVB wollen wir den Leuten auch außerhalb des Stadions zugänglich machen«, sagt Simon Mayr. »Wir nutzen deshalb auch verstärkt den Community Tab auf YouTube, über den wir uns mit den Zuschauern austauschen. Die Interaktionsraten sind überdurchschnittlich.« Im Ergebnis gewinnt der BVB an Spitzentagen auf YouTube 2500 neue Abonnenten. Alle Videos zusammen wurden bis heute mehr als 100 Millionen Mal gesehen.

SumUp: Mit Videoanzeigen neue Kunden finden

Das kleine weiße Kästchen wird für viele Geschäfte immer wichtiger: Die Rede ist von einem mobilen Kartenleser, durch den jeder überall per EC- und Kreditkarte bezahlen kann, egal, ob beim Bäcker, im Taxi oder am Strand. Mit der auf drei Milliarden Euro geschätzten Geschäftsidee hat das in Deutschland gegründete Start-up SumUp vor allem Inhaber kleiner Geschäfte im Blick. Den Cafébesitzer zum Beispiel, der sich kein teures Kassensystem leisten kann; den Kleiderladen ums Eck oder die Yogalehrerin, die abends Stunden gibt.

»Das ist eine schwierig zu fassende Zielgruppe, die man am besten anspricht, bevor sie ihr Geschäft gründet«, sagt Yiorgos Antonopoulos, Leiter des Onlinemarketings bei SumUp. Beim Ansprechen dieser Zielgruppe ist die Videoplattform YouTube für SumUp einer der wichtigsten Partner: YouTube ermöglicht es, gezielt die jungen, kleinen Geschäfte im richtigen Moment zu erreichen, die auf der Suche nach einem Zahlungssystem sind. Aus Yiorgos Antonopoulos‘ Sicht ist diese Art von Marketing besonders effektiv: SumUp zählt bereits mehr als 1,5 Millionen Kunden – und jeden Tag kommen circa 4000 Anfragen von neuen Interessenten hinzu.

Douglas: Dank Sprachsteuerung beide Hände frei

Viele Menschen schminken sich heute aufwendiger als noch vor einigen Jahren. Make-up-Ideen werden auf YouTube recherchiert und können dank Tutorials sofort nachgeschminkt werden. Unternehmen wie Douglas, einer der führenden Premium-Beautyhändler Europas, reagieren auf diese neue Entwicklung. Auf YouTube bespielt das Unternehmen einen eigenen Kanal mit Schmink- und Pflegetutorials, mit Backstage- und Eventstorys sowie mit Kampagnenfilmen. Vanessa Stützle verantwortet den Bereich E-Commerce & CRM bei Douglas und betont, dass es bei diesen Anstrengungen nicht unmittelbar um den Verkauf von Produkten geht: »YouTube ist für viele unserer jüngeren Kunden der Startpunkt ihrer Customer Journey, der Weg vom ersten Berührungspunkt mit Douglas bis zur finalen Kaufentscheidung. Der Kanal und unsere Inhalte dienen daher in erster Linie als Inspirationsquelle.«

Ein verstärkter Fokus auf Social-Media-Kanäle und Videoportale wie YouTube sei Teil von Douglas‘ Strategie, die zentrale Beauty-plattform Europas zu werden. Immer wieder kooperiert das Unternehmen auch mit digitalen Partnern. Seit Mai 2019 zum Beispiel widmet sich Douglas gemeinsam mit Google einem ganz bestimmten Problem: Nutzerinnen und Nutzer, die auf YouTube Schminktutorials sehen und Gelerntes anwenden wollen, haben häufig nur eine Hand zum Schminken frei – die andere Hand hält das Smartphone, spielt vor oder zurück oder drückt auf Pause. Deshalb verkauft Douglas Online nun auch den Google Nest Hub, ein sprachgesteuertes Display mit Lautsprecher. Nutzerinnen und Nutzer können es mit Sprachbefehlen wie »Ok Google, spiele das Douglas-Beautytutorial Smokey Eyes auf YouTube ab« steuern. Das Praktische daran: Auf diese Weise haben die Zuschauer beide Hände frei, die Schminkanweisungen umzusetzen. Der Werbespot für den Google Nest Hub wurde innerhalb der ersten beiden Wochen mehr als eine Million Mal auf YouTube gesehen.

Fotografie: youtube.de/bvb, SumUp, Douglas

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