25 Hamburger Geschichten

„Plietsch“ sagt der Norddeutsche zu Menschen und Ideen, die clever sind. So wie diese hier. Ein kleiner Überblick, wer und was die Hansestadt digitaler macht

01 – Wie schmeckt Hamburg?

Wer Lust hat, essen zu gehen, aber sich nicht für ein Restaurant entscheiden kann, dem verspricht Foodguide der beiden Gründer Finn Fahrenkrug (li.) und Malte Steiert spielerisch Hilfe. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie bei Tinder: Die App empfiehlt dem Nutzer nach einem speziellen Algorithmus individuelle Gerichte. Was lecker aussieht, schiebt man nach rechts, was nicht den Geschmack trifft, nach links. Alle Favoriten werden gespeichert und anschließend kommt die Info, in welchem Hamburger Lokal man es essen kann.

02 – Der Hafen wird zum SmartPORT

Der Hamburger Hafen ist das größte Logistikzentrum Deutschlands und der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Stadt. Damit er wettbewerbsfähig bleibt, soll er effizienter und energiesparender werden, und zwar mithilfe von IT. Durch intelligentes Parkraummanagement über App etwa müssen Lkw-Fahrer nicht mehr so lange suchen, was die Umwelt- und Verkehrsbelastung reduziert. Das System transPORT rail verbessert den Datenaustausch zwischen den am Bahnverkehr beteiligten Unternehmen, sodass Zugfahrten optimal getaktet sind.

03 – Digita-la-ola

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, die Zeit kann aber verdammt lang sein. Für zwischendurch versorgt der FC St. Pauli seine Fans daher mit News per WhatsApp und bietet sogar eine digitale Stadiontour.

04 – Vordenker

Nico Lumma beschäftigt sich auf mehreren Kanälen mit der digitalen Transformation. Er ist Managing Partner des Next Media Accelerators, Mitgründer des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt und berät die Politik. Und er bloggt und postet dazu, was er wichtig findet.

05 – Virtuell fliegen

Hamburg ist einer der größten Standorte für zivile Luftfahrt weltweit. Am Zentrum für angewandte Luftfahrtforschung sitzen zwei Institute des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, die sich mit der Digitalisierung des Sektors beschäftigen. Ein Institut untersucht, wie sich Luftfahrzeuge mithilfe digitalisierter Prozesse ideal fertigen lassen, das andere digitalisiert Instandhaltungsprozesse und -technologien.

06 – Gute Orientierung

Auf den 205 Hektar des Altonaer Volksparks kann man sich schon mal verlaufen. Gut zu wissen: Eine interaktive Karte zeigt Restaurants, Gärten, Liegewiesen, Spielplätze oder Laufstrecken im Altonaer Volkspark.

07 – Hören, was los ist

Google fördert mit seiner Digital News Initiative (DNI) journalistische Innovationen. Spiegel Online zum Beispiel entwickelt mit DNI-Unterstützung eine Plattform, die unter anderem die Produktion und den Vertrieb von Audioinhalten vereinfachen soll.

08 – Wissen, was los ist

Die App Aino empfiehlt Veranstaltungen in Hamburg. Wer möchte, kann sich per Push-Nachricht außerdem die wichtigsten Meldungen des Tages aus der Hansestadt zusammenfassen lassen.

09 – Die Elbphilharmonie vor Ort entdecken – oder bequem vom Sofa aus

Die Elbphilharmonie ist auch bei Einheimischen so beliebt, dass man noch immer mehrere Monate Wartezeit für Tickets einkalkulieren sollte. Zum Glück gibt es zusätzliche Möglichkeiten, das Konzerthaus zu entdecken. Google Arts & Culture etwa bietet als Kooperationspartner neben Bildergalerien auch virtuelle 360-Grad-Rundgänge, auf denen sich zum Beispiel die Orgel im Großen Saal mit ihren 4765 Pfeifen erleben lässt. Wer es nicht zu einem der vielen Orgelkonzerte anlässlich des Orgeljahrs 2019 schafft, kann sich mit dem YouTube-Kanal der Elbphilharmonie behelfen. Dort gibt es regelmäßig Livestreams von Konzerten, für die man sich sogar Erinnerungen einrichten kann.

10 – Autonomes Fahren I: eine Teststrecke durch die Innenstadt

Im dichten Stadtverkehr hat man kein Auge für die Sehenswürdigkeiten, an denen man vorbeifährt. Außer, das Auto fährt selbst. Mitten im Zentrum, vorbei an den Landungsbrücken, Planten un Blomen, am Dammtor-Bahnhof, am Fernsehturm und an der Laeiszhalle führt die neue Teststrecke für automatisiert vernetztes Fahren (TAVF). Hier sollen bald schon Automobilhersteller und Forschungseinrichtungen automatisiertes Fahren in realen und anspruchsvollen Verkehrssituationen testen – immerhin gibt es hier mehrspurigen Mischverkehr und komplexe Kreuzungen. Auf der neun Kilometer langen Strecke werden insgesamt 37 Ampeln umgerüstet. Über Sensoren, Radar, Wärmebild- und Kamerasysteme kann die Umgebung inklusive anderer Verkehrsteilnehmer erfasst werden. Eine interaktive Karte zeigt online den genauen Verlauf der Teststrecke.

11 – Bitte nachmachen

Das Museum für Kunst und Gewerbe ist dabei, seinen Bestand ins Netz zu stellen – knapp 16 000 der insgesamt 500 000 Exponate finden sich bereits online. Ist eine Künstlerin oder ein Künstler hinter einem Objekt vor mehr als 70 Jahren gestorben und damit das Urheberrecht erloschen, kann jedermann das entsprechende Motiv in hoher Auflösung kostenfrei verwenden und zum Beispiel auf T-Shirts und Tassen drucken.

12 – Endlich grüne Welle

Im vergangenen Jahr wurden erstmals 60 Ampeln in Hamburg getestet, die mit Autofahrern kommunizieren. Per Funk schicken sie eine Info auf den Bordcomputer und sagen, in welcher Geschwindigkeit sie fahren sollten, um auf eine grüne Ampel zu treffen. So soll der Verkehrsfluss verbessert und die Umwelt geschont werden. Der Test war erfolgreich, bis 2020 soll es nun 1000 solcher Ampeln geben – das wäre mehr als die Hälfte der Ampeln im Stadtgebiet. Für Radfahrer ist eine App geplant, damit auch sie von den Schaltprognosen profitieren.

13 – Lehren lernen

Viele Lehrer und Schüler wünschen sich einen Unterricht, der zu ihrer digitalen Lebenswelt passt. Wie digitales Lernen aussehen kann und wie sich Schule mithilfe von digitalen Tools gestalten lässt, will das Kompetenzzentrum digital.learning.lab zeigen. Lehrer finden hier Tipps und Informationen, Unterrichtsbausteine und Tutorials. Gelauncht wurde es in Kooperation mit dem Gymnasium Altona.

14 – Die beste Onlinefreundin

Früher schrieb die Hamburgerin für Stern und Welt, heute ist sie erfolgreich mit ihrem eigenen Blog-Magazin Ohhh ... Mhhh und erreicht mehr als 25 000 Leser (und vor allem Leserinnen) pro Post. Stefanie Luxat trifft einen Nerv mit ihren Themen zu Wohnen, Essen, Reisen und Leben im Allgemeinen. Ihr Podcast Endlich Om zu Selbstliebe und Nachhaltigkeit wurde zu den besten 2018 gekürt.

15 – Smartes Parken

Mehrere Tausend Hamburger Autofahrer sind schon mit der App „Park and Joy“ von T-Systems unterwegs. Sie zeigt freie Parkplätze an, die man auch gleich per Smartphone buchen, bezahlen und verlängern kann. Dahinter steckt die Basistechnologie NarrowBand Internet of Things, kurz NB-IoT. Deren Sensoren funken über das Schmalbandnetz.

16 – Digitale Transformation

Nach Amazon ist die Otto Group mit ihren mehr als 50 000 Mitarbeitern der zweitgrößte Onlinehändler in Deutschland. Experten urteilen, das Haus, einst vor allem für seinen gedruckten Katalog bekannt, sei unter den deutschen Händlern bei der Digitalisierung am weitesten gekommen – unter anderem durch Gründungen wie dem Onlinefashionshop About You.

17 – Diese Gründer bewegen etwas

Hamburg gilt als Logistikmetropole Nordeuropas, auch die Digitalisierung ist in diesem Bereich fortgeschritten. Mit dem Digital Hub Logistics gibt es in der Speicherstadt einen Hotspot, der Start-ups mit Entscheidern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammenbringt. Einige Gründer sind bereits erfolgreich durchgestartet:

Cargonexx ist eine digitale Spedition und bietet neuartige Lösungen für den Lkw-Fernverkehr mithilfe von Technologien wie Deep Learning und neuronalen Netzen. Diese bilden die Grundlage eines virtuellen Transportnetzwerks, das Lkw-Transporte günstiger und effizienter gestalten soll.

Go to emma macht Einkaufs- und Vertriebsprozesse einfacher. Der Händler legt innerhalb der App sein Lieferanten-Netzwerk an. ­Leistungen, Aktionen und Kampagnen des Netzwerks werden über die Plattform bearbeitet. Das Ziel: Emma soll zur zentralen Kommunikationsplattform im Handel werden.

NautilusLog will die Schifffahrt und ihre Logbücher digitalisieren. Das sind nämlich bis heute in der Regel tatsächlich handschriftlich geführte Bücher. Die App unterstützt die Besatzung an Bord und das Management an Land, indem sie Schiffe trackt und automatisch Ereignisse und Aufgaben generiert.

18 – Digitale Demokratie

Wie verändert sich der Verkehrsfluss, wenn eine Straße weiter ausgebaut wird? Wo ist der beste Standort für ein neues Hotel, um es an den öffentlichen Nahverkehr und kulturelle Einrichtungen anzubinden? An interaktiven Stadtmodellen, sogenannten City Scopes in der Größe eines Küchentischs, lässt sich das im Voraus testen. Mit diesem digitalen Planungstool suchten die Stadt und Hamburger Bürger 2016 gemeinsam nach Flächen für neue Flüchtlingsunterkünfte – erfolgreich. FindingPlaces ist ein Kooperationsprojekt der HafenCity Universität Hamburg mit der Stadt Hamburg.

19 – Frisch vom Hof direkt nach Hause

Eva Neugebauer und Juliane Eichblatt haben zwar weder Kühe, Obstwiesen noch Kartoffelacker, dafür aber einen eigenen Onlinehofladen. 2015 gründeten sie ihr Unternehmen Frischepost, das kleine Höfe und Manufakturen aus der Region mit anspruchsvollen Käufern in der Stadt verbindet und die Direktvermarktung sowie den Transport übernimmt. Hinter jedem der inzwischen mehr als 1500 Produkte im Onlineshop ist ein Produzentenprofil mit Fotos, Videos und Informationen hinterlegt. Neugebauer und Eichblatt besuchen mit ihrem Team jeden Betrieb persönlich, um sich vor Ort von der Qualität der Produkte zu überzeugen und eine nachhaltige Herstellung der Lebensmittel zu garantieren.Sobald der Kunde seine Bestellung auf frischepost.de aufgegeben hat, gehen seine Wünsche an die regionalen Erzeuger, die nun die Waren in das Lager in der Speicherstadt liefern. Von dort geht es noch am selben Tag weiter: Mit sieben eigenen Elektroautos sowie einer Flotte E-Bikes beliefert Frischepost gut 6500 Haushalte, Kitas und Firmen in Hamburg. Es gibt auch Abholstationen, zum Beispiel bei den Hamburger Sparkassen. Verpackungsmüll gibt es weniger als beim Wocheneinkauf im Supermarkt – die meisten Produkte kommen lose oder in wiederverwendbaren Verpackungen.

20 – Die nächste Runde geht auf mich!

alsterrunning.de bietet eine fest installierte Chip-Zeitmessung auf Hamburgs beliebtester Laufstrecke rund um die Alster. Sechs Messstationen erfassen automatisch Zeiten und Strecke und erstellen ein individuelles Lauftagebuch. Dafür wird ein Laufchip am Turnschuh befestigt, der beim Passieren der Messstation durch eine Induktionsschleife im Boden kurzzeitig mit Energie versorgt wird, sodass er seine Nummer funken kann. Die Station speichert dazu die Uhrzeit und übermittelt die Daten an den Server von alsterrunning.de. Auf der Webseite sind die Ergebnisse in einem persönlichen Laufprofil zu sehen, man kann sie aber auch mit der Community teilen. Aktuell sind 7700 Läufer registriert, davon 5100 Männer und 2600 Frauen. Besonders aktiv ist Sönke Banck – er lief 2018 jeden Tag mindestens ein Mal um die Alster und schaffte so 621 Runden beziehungsweise 4694 Kilometer. Im Durchschnitt brauchte er für die 7,33 Kilometer lange Strecke 37 Minuten.

21 – Die Aussichten: sonnig

Ob sich eine Solaranlage auf dem eigenen Dach lohnt, lässt sich ganz einfach im Vorfeld prüfen. Hamburg Energie hat mit Daten des Landesbetriebs Geoinformation und Vermessung den Hamburger Solaratlas entwickelt, der für jede Adresse ein rotes (nicht geeignet) oder grünes Dach (geeignet) zeigt. Wer nicht in Hamburg wohnt: Google Sunroof zeigt in Kooperation mit E.ON bereits für sieben Millionen Gebäude in ganz Deutschland, wie viel Solarstrom Sie mit einer Solaranlage erzeugen könnten. Dabei berücksichtigt der Rechner Daten wie Wetter, Position der Sonne, Neigung des Dachs und den Schatten durch umliegende Bäume und Gebäude.

22 – Autonomes Fahren II: HafenCity wird autonomes Stadtgebiet

Autonomes Fahren klingt immer noch ein bisschen nach Zukunftstraum. Die Hamburger Hochbahn will zeigen, dass es schon jetzt Teil unseres Alltags werden kann: mit elektrisch automatisiert fahrenden Kleinbussen, die noch in diesem Jahr im Testbetrieb über die Straßen der HafenCity rollen sollen. Das Projekt heißt HEAT (Hamburg Electric Autonomous Transportation) und gehört weltweit zu den Ersten, die voll automatisiertes Fahren realisieren. Anfangs werden die Busse sicherheitshalber von einem Fahrer begleitet, der im Notfall eingreifen kann. 2021 soll HEAT im Rahmen des ITS Weltkongresses in Hamburg ein zentrales Vorzeigeprojekt sein.

23 – Das Hamburg von morgen gestalten

Fabian Friedrich ist Gründer und Geschäftsführer der Blockchance UG. Sie will Hamburg zu einem Blockchain-Hotspot machen, unter anderem mit der jährlichen Blockchance Conference. Zudem ist er im Präsidium von INATBA, dem weltweit größten Blockchain-Verband mit Sitz in Brüssel und vertritt dort Hamburgs Interessen. Blockchains sind zum Beispiel Basis der Kryptowährung Bitcoin. Friedrichs Weihnachtsmarktstand war 2013 der erste überhaupt, an dem man mit Bitcoins bezahlen konnte.

24 – Zeitreise in die alte Speicherstadt

Hamburgs Weltkulturerbe, die Speicherstadt, setzt auf das Netz: Eine vom Fraunhofer-Institut mitentwickelte App führt die Besucher durch den weltweit größten historischen Lagerhauskomplex im Hafen. Sie bietet dafür unter anderem historische Fotos, Hörspiele vom NDR und Augmented Reality, was zum Beispiel die Schlusssteinlegung durch Kaiser Wilhelm II. 1888 erlebbar macht. Damit die Technik reibungslos funktioniert, gibt es flächendeckendes freies WLAN in der gesamten Speicherstadt.

25 – Augmented Reality in der Notfallmedizin

Das Digital Health Hub der Gesundheitswirtschaft Hamburg beschäftigt sich mit der Frage, wie sich digitale Innovationen im Gesundheitswesen nutzen lassen: Rettungskräfte üben mithilfe von Virtual Reality Notfallsituationen, und Notärzte bekommen Patienteninformationen per Augmented Reality eingeblendet. In der Diagnostik wird mit künstlicher Intelligenz experimentiert. Auch digitale Evaluation von Patientenerfahrungen spielt eine Rolle, etwa beim Anpassen von Prothesen.

Fotografie: iStockphoto, thefoodguide, hamburg-port-authority.de, courtesy of fcstpauli.com, next media accelerator, DRL, Thies Rätzke, Martin Elsen / Design: www.olli.design, Erik Cesla, Getty Images, Charlotte Schreiber, Franziska Evers, Perspektive Media, Hochbahn AG / IAV GmbH (Fotomontage), Karsten Eichhorn, Dataport/Fraunhofer FOKUS

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