Search on — Fünf-Minuten-Geschichte
So retten Ärzte, Kurierfahrer und Blutspender gemeinsam Leben in ganz Afrika
Nachmittags in Lagos, Nigeria. Hier leben 24 Millionen Menschen. Es ist Rushhour – und es gibt einfach kein Durchkommen.
Außer für Joseph Kalu. Joseph ist nicht irgendein Motorradkurier – er arbeitet für LifeBank, ein von Temie Giwa-Tubosun gegründetes Technologieunternehmen, das Blutbanken und Krankenhäuser direkt miteinander in Kontakt bringt. Sein Ziel? Die lebensrettenden Blutkonserven in seiner Kühlbox innerhalb von 45 Minuten abzuliefern.
Auf seinem Smartphone startet Joseph die LifeBank App: Sie zeigt ihm die schnellsten Wege zwischen Blutbanken, Ärzten und Fahrern quer durch das Verkehrschaos der Stadt an – mithilfe von Google Maps Platform. Joseph sieht so auf den ersten Blick, wo die Blutbank ist und wo sich das Krankenhaus befindet, das auf die Lieferung wartet.
Die Zeit drängt: Wenn ein Mensch 40 % seines Bluts verliert, kann er an Organversagen sterben. Tag für Tag befindet sich LifeBank in einem Wettlauf gegen die Zeit.

Um das Problem mit den fehlenden Blutkonserven in ihrer Heimat Nigeria lösen zu können, benötigte Temie Giwa-Tubosun dringend Zugriff auf Karteninformationen. Hier kam Google ins Spiel: Informationen zu organisieren und allen zugänglich zu machen, ist uns ein wichtiges Anliegen – und genau solche Projekte sollen dadurch ermöglicht werden. Mithilfe von Google Maps Platform war Temie jetzt in der Lage, ein System zu entwickeln, das Blutbanken und Krankenhäuser miteinander vernetzt. Die Lieferzeiten konnten dadurch von 24 Stunden auf noch nicht einmal 45 Minuten verkürzt werden.

Temie Giwa-Tubosun in den Geschäftsräumen von LifeBank
Wenn jemand blutet, besteht oft schon nach 20 bis 120 Minuten Lebensgefahr. Es bleibt also nicht viel Zeit zu handeln.

Temie Giwa-Tubosun

Im Januar 2016 hat Temie LifeBank offiziell vorgestellt. Sie war zu diesem Zeitpunkt keine Unbekannte, denn sie hatte sich schon vorher intensiv für das Thema "Gesundheit von Müttern und Kindern in Nigeria" eingesetzt. Mit ihrer App wollte sie jetzt vor allem ein Ziel vorantreiben: Blutkonserven sollten so schnell wie möglich zu den Patienten gelangen, die sie dringend benötigten. Die Idee dazu entstand 2014, als Temie mit ihrem Sohn schwanger war. Damals lebte sie in Lagos, ihre Eltern waren jedoch in die USA ausgewandert. Weil Temie ihre Mutter bei der Geburt dabei haben wollte, reiste sie zu ihr.

In der 30. Schwangerschaftswoche wurde Temie für einen Notfallkaiserschnitt ins Krankenhaus eingeliefert. Zum Glück konnten die Ärzte ihren Sohn Enafie sicher entbinden. "Wenn ich meinen Sohn in Lagos bekommen hätte, wäre ich möglicherweise an Blutungen nach der Geburt gestorben", stellte Temie fest.

Sechs Wochen – so lange sind Blutspenden haltbar.

Sechs Wochen

Die Haltbarkeit von Blutspenden

Das Rote Kreuz, 2019

Nigeria hat mit 19 % aller Todesfälle unter Müttern die vierthöchste Müttersterblichkeit der Welt. Postpartale Blutungen – also ein lebensbedrohlicher Blutverlust nach einer Geburt – ist hierbei die häufigste Todesursache. Das Fehlen einer Versorgungsinfrastruktur für Spenderblut in Nigeria verstärkt dieses Problem noch. "Als ich das erkannte, wusste ich: Ich muss alles tun, was in meiner Macht steht", erklärt Temie. Sie kehrte nach Lagos zurück – entschlossen, eine Lösung zu finden.

Trailer ansehen 0:26 Sehen Sie sich an, wie LifeBank das Leben einer Mutter rettet.

Blutspenden sind nur sechs Wochen haltbar. Häufig sind sie schon verdorben, bevor sie verwendet werden können, weil Ärzte einfach nicht wissen, wo sie die passende Blutgruppe finden. Temie erkannte, dass hier ein logistisches Problem vorlag: "Die Ärzte, die Blut brauchen, und die Blutbanken, die ihr Blut oft wegwerfen müssen, benötigten in erster Linie eine direkte Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren." Um diese vorher voneinander getrennten Gruppen zu vernetzen, verwendete Temie Google Maps Platform. Sie kartierte alle Einrichtungen in Lagos, die die Verteilung von Blut regeln – von Krankenhäusern über Blutbanken bis hin zu den Kurierfahrern –, und hatte auf einmal die Lösung.

Früher mussten Krankenhäuser – und manchmal sogar die Familienangehörigen der Patienten – die Blutbanken nacheinander anrufen, um herauszufinden, ob die benötigte Blutgruppe vorrätig war. Wie schnell die einzelnen Blutbanken auf Anfragen reagierten, entschied häufig über Leben und Tod. Überforderte Ärzte und verzweifelte Verwandte wußten oft einfach nicht, wo sie rechtzeitig geeignetes Blut herbekommen sollten.

LifeBank-Kurierfahrer Joseph Kalu liefert Blut an ein Krankenhaus in Lagos aus.

Wir verwenden Google Maps, um eine Kommunikationsplattform für Blutbanken, Krankenhäuser und Patienten zu schaffen – etwas, was es so noch nie gab.

Temie Giwa-Tubosun

Zur Lösung dieses Problems hat Temie in Zusammenarbeit mit 52 Blutbanken in Lagos ein Online-Blutdepot erstellt und kartiert. Ärzte können jetzt eine bestimmte Blutgruppe anfordern und die Lieferung sofort auf einer Karte nachverfolgen. Dank des Modells von LifeBank wird gespendetes Blut meistens schon innerhalb einer Woche verbraucht – dadurch wird fast kein Blut mehr verschwendet und Angebot und Nachfrage stimmen endlich überein.

Alle zwei Sekunden braucht jemand in den USA Blut.

Alle zwei Sekunden

Jemand in den USA braucht Blut.

Das Rote Kreuz, 2019

Bevor es LifeBank gab, konnte es in Lagos mehrere Stunden, manchmal sogar Tage dauern, bis Blutkonserven für einen Patienten gefunden und ausgeliefert wurden. Mit LifeBank dauert es gerade einmal 45 Minuten von der ersten Anfrage bis zur Auslieferung der Blutkonserven. Temie meint dazu: "Ohne eine Technologie wie Google Maps wäre das nicht möglich."

LifeBank-Fahrer Joseph Kalu trägt Blutkonserven in seiner Kühlbox.
Mir war bewusst, dass die Blutspender für dieses System von größter Bedeutung sein würden. Wenn man keine Blutkonserven hat, kann man schließlich auch keine verteilen.

Temie Giwa-Tubosun

Wie in vielen anderen Ländern ist es auch in Nigeria nicht einfach, Menschen dazu zu bewegen, Blut zu spenden. Ohne Blutspenden gibt es logischerweise aber auch keine Blutkonserven. Temie war klar, dass LifeBank nur dann funktionieren konnte, wenn mehr Leute bereit wären, Blut zu spenden. Vielleicht hilft es ein wenig, dass die Termine fürs Blutspenden schnell gemacht sind: Freiwillige können sie ganz bequem über LifeBank vereinbaren – auf einer Karte wird ihnen sofort die nächste Blutbank in ihrer Nähe angezeigt. Auch was sie genau erwartet, erfahren sie in der App.

Mit nur einer Spende können bis zu drei Leben gerettet werden.

1 Blutspende

Bereits ein halber Liter Blut kann bis zu drei Leben retten.

Das Rote Kreuz, 2019

Ich war auch einmal sehr krank – ich wäre damals fast gestorben. Deshalb kann ich nachvollziehen, wie es sich anfühlt, wenn man von jemandem Blut erhält. Blutspender setzen sich selbstlos für das Leben anderer Menschen ein.

Oluwaseun Adeolu LifeBank-Blutspender

LifeBank hat Spendern mit wichtigen Ressourcen vernetzt und mittlerweile über 5.800 Blutspender registriert. Auf die Frage, wie sie so viele Freiwillige mobilisieren könne, sagte Temie nur: "Die Antwort darauf wird Sie wahrscheinlich überraschen. Die meisten bringen es einfach nicht übers Herz "Nein" zu sagen – vor allem, wenn man ihnen klarmacht, was auf dem Spiel steht."

LifeBank hat bisher mehr als 13.800 Halbliterkonserven Blut entnommen, über 300 Krankenhäuser beliefert und so mehr als 3.600 Menschenleben gerettet.

LifeBank-Fahrer Joseph Kalu beim Transportieren von Blutkonserven auf seinem Motorrad
Wo kann ich Blut spenden?

Wo kann ich Blut spenden?

Mit nur einer Spende können bis zu drei Leben gerettet werden. Finden Sie heraus, wo Sie in Ihrer Gemeinde Blut spenden können.

Finden Sie ein Blutspendezentrum in Ihrer Nähe
Nach oben