Spaß haben und inspirieren

In »Employee Resource Groups« schließen sich Google-Mitarbeiter zusammen, die sich für die Themen von Interessengruppen und Minderheiten stark machen. Davon profitiert auch das Unternehmen

Im Foyer des Hamburger Google-Standorts fällt ein Paar prominenter Augenbrauen auf, das an der hinteren Wand bei den Fahrstühlen zu sehen ist. Bunte Post-its formieren sich dort pixelig, aber unverkennbar zum Konterfei der mexikanischen Malerin Frida Kahlo. Das Motiv ist ein Überbleibsel vom Internationalen Frauentag Anfang März und soll vor allem eines vermitteln: Es gibt viele Vorbilder für selbstbewusste Frauen, die etwas bewegen wollen.

Die Post-it-Kahlo ist eine Aktion von Women@, einer Google-internen Employee Resource Group, kurz ERG. Diese ERGs sind als ein Raum zum Netzwerken angelegt, wie ihn prinzipiell jeder bei Google eröffnen kann. Neben den Women@ gibt es zum Beispiel die Gayglers (hier treffen sich homo-, bi-, trans- oder intersexuelle Mitarbeiter) und die Greyglers (für die Senioren unter den Mitarbeitern). »ERGs sind ein Forum für alle, die sich als Minorität sehen und bestimmte Themen mit anderen ansprechen wollen«, sagt Jannette Flores. Sie arbeitet als Agency Sales Manager und engagiert sich bei den Gayglers.

Die Gayglers zählen 15 feste Mitglieder in Deutschland, vier von ihnen arbeiten wie Jannette Flores bei Google in Hamburg. Neben den fixen Treffen einmal pro Monat sind die Gayglers vor allem in puncto Events und Veranstaltungen aktiv. So gestalten sie oft Programmpunkte bei den wöchentlichen »Thank God It’s Friday«-Treffen im Büro, laden jeden Sommer zum Wasserski. Höhepunkt ist die Pride Week mit der Parade im August. »Unser Motto ist: Be inclusive, have fun, say thank you. Wir machen das alles auch, um uns für die offene Kultur hier im Unternehmen zu bedanken«, sagt Jannette Flores.

Eine Reihe von wissenschaftlichen Studien zeigen, dass viele Menschen ihre sexuelle Orientierung vor Kollegen lieber geheim halten. »Gleichzeitig gibt es aber eine Korrelation zwischen Produktivität und dem Selbstsein«, erklärt Flores. Bei Google sei deshalb das Prinzip »Bring your whole self to work« wichtig: Das Unternehmen möchte bewusst nicht nur den arbeitenden Teil eines Menschen fördern. Deshalb gibt es die ERGs. Sie sollen dabei helfen, dass sich alle Mitarbeiter im Unternehmen gleichermaßen gehört fühlen.

Sind gut vernetzt mit Gleichgesinnten: Christiane Moran (li.) und Jannette Flores

Die Zeit für das Engagement kommt für Flores zur Arbeitszeit hinzu. Jannette Flores, die mit zwei kleinen Kindern Vollzeit arbeitet, will die Frage nach dem Aufwand aber nicht stellen. Ihre Familie stammt von den Philippinen, ist streng katholisch und reagierte sehr ablehnend auf ihr Outing. »Ich möchte der nächsten Generation die Hürden ersparen, die ich gesehen habe. Die Gesetze passen an vielen Stellen noch nicht. Wenn man da nicht laut wird, ändert sich nichts.«

Für ein Unternehmen wie Google zu arbeiten bietet an vielen Stellen die Chance, ein Sprachrohr zu haben. Das nutzt auch die Initiative Women@ (zu Deutsch so viel wie »Frauen bei ...«), in der sich Christiane Moran engagiert. »Die Welt schaut bei wichtigen Konferenzen auf Google. Wenn dort Frauen ver­treten sind, machen es andere nach«, erklärt Moran, die von Hamburg aus Großkunden bei ihrer digitalen Werbestrategie berät. Women@ will Frauen vernetzen und mehr von ihnen in Führungspositionen bringen. »Dafür bieten wir zum Beispiel Stimmtrainings oder Workshops zum besseren Eigenmarketing an. Wir laden auch inspirierende Speaker von anderen Unternehmen ein und klären über flexible Arbeitsmöglichkeiten wie geteilte Führungspositionen auf.« Das Engagement der Women@ wurde bereits von der IHK ausgezeichnet, konkret die Arbeit zum Girls Day: Jedes Jahr erklären Googler interessierten Mädchen, welche Möglichkeiten Jobs im IT-Bereich bieten.

Für Jannette Flores zeigen die ERGs, was Google ausmacht: »Hier arbeiten Menschen, die den Drive haben, Initiativen anzuschieben.« Christiane Moran sieht Auswirkungen auf die Gemeinschaft und die Arbeit: »Die unterschiedlichen Perspektiven sind gut für die Kultur des Unternehmens. Sie sind auch gut für unsere Produkte, weil wir so für die unterschiedlichen Lebenswelten der User sensibilisiert werden.«

Fotografie: Melina Mörsdorf

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