Internationaler Frauentag 2021

Es sind die Ersten, die den Weg für viele ebnen

Unzählige Fortschritte in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik wären undenkbar ohne starke Frauen, die mutig ihre Ideen und Visionen umsetzen. Große weibliche Vorbilder tun das ebenso wie Frauen, die nicht im Rampenlicht stehen und täglich innovative Ziele verfolgen

» Mein oberstes Prinzip: sich nicht unterkriegen lassen, nicht von den Menschen und nicht von den Ereignissen «
Marie Skłodowska Curie

Die Karriere einer der bedeutendsten Forscherinnen aller Zeiten begann mit einer Auswanderung. Marie Curie zog Ende des 19. Jahrhunderts nach Paris, weil sie in ihrer polnischen Heimat als Frau nicht studieren durfte. Von dort leistete sie mit ihrer Forschung rund um Radioaktivität nicht nur Großartiges für die Wissenschaft; sie eroberte auch Terrain, das Frauen bis dahin verwehrt war. Curie war die erste Nobelpreisträgerin und ist bis heute die einzige Frau, die diese Auszeichnung zweimal erhielt: in Physik und Chemie. Zudem war sie die erste Professorin an der Pariser Universität Sorbonne – und eine, die sich nicht unterkriegen ließ. Stets behielt Marie Curie ihre Ziele im Blick, selbst als sie in der Boulevardpresse als »Fremde« oder »sonderbare Frau« diffamiert wurde. So wurde die Pionierin zu einem bis heute inspirierenden Vorbild dafür, wie viel weibliche Gestaltungskraft aus Bildung erwachsen kann.

Dieses Bewusstsein bildete auch das Fundament der Themenwoche zum Internationalen Frauentag 2021. Bei den Veranstaltungen, organisiert von der Google Zukunftswerkstatt und verschiedenen Partnern, standen New Work, Retail, Technologie, Unternehmerinnentum und Selbstbewusstsein im Mittelpunkt. Über 850 Teilnehmer:innen ließen sich von mehr als 20 Redner:innen sowie von Interviews und Talkrunden inspirieren. Aus unterschiedlichen Perspektiven wurde dabei die Frage beleuchtet, wie Frauen ihre Potenziale voll ausschöpfen und wirklich gleichberechtigt zum Fortschritt in Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft beitragen können.

Die Hoffnungsträgerin:
Özlem Türeci

Ähnlich viel Pioniergeist wie damals Marie Curie treibt heute Özlem Türeci an. Die Ärztin, Immunologin und Krebsforscherin strebt danach, vielschichtige medizinische Herausforderungen zu lösen, indem sie innovative wissenschaftliche und technologische Konzepte vom Labor in die klinische Praxis überträgt. Insgesamt entsprangen ihrem Forschungs- und Erfindergeist bislang mehr als 500 beantragte und erteilte Patente.

Gemeinsam mit ihrem Mann gründete die Wissenschaftlerin das Biotech-Unternehmen Biontech und entwickelte 2020 einen der ersten Impfstoffe gegen Covid-19. Mit dieser Leistung ist die habilitierte Molekularmedizinerin zuallererst Hoffnungsträgerin im Kampf gegen die Pandemie. Zugleich ist die Frau mit türkisch-deutschen Wurzeln, deren Vater einst als Chirurg von Istanbul nach Deutschland zog, erfolgreiche Unternehmerin: Sie hat zwei Unicorns gegründet, also Firmen, die mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet werden.

Nicht alle Frauen, die ihre Fähigkeiten für sich und andere nutzen, sind so bekannt wie Marie Curie und Özlem Türeci – aber alle betreten auf ihre Weise neue Wege

Die Aufbauende:
Deborah Choi

Wer Deborah Chois Apartment in Berlin betritt, fühlt sich wie in einer Oase. Frisches Grün überall, Palmen, Kakteen und andere Pflanzen sorgen für Wohlfühlklima. Mittendrin steht Deborah, die in den USA aufwuchs, seit einigen Jahren in Berlin lebt – und eigentlich gar keinen grünen Daumen hat. Früher gingen ihr die Pflanzen immer ein, egal ob sie sie im Möbelhaus oder im Fachhandel kaufte. Aus diesem Dilemma heraus kam die alleinerziehende Mutter auf die Idee zu Horticure – einer Art Pflegedienst für Pflanzen: Mit ihrem Start-up vermittelt sie in Berlin, London, New York und San Francisco ausgebildete Fachleute, die sich bei den Menschen zu Hause um das Wohlergehen ihrer grünen Lieblinge kümmern. Als dieser Service corona-bedingt zurückgefahren werden musste, erweiterte Deborah kurzerhand ihr Geschäftsmodell und fing an, auch Zimmerpflanzen zu verkaufen.

» Riskiere etwas. Scheitern gibt es meiner Meinung nach gar nicht. Ich bedauere bis heute, dass ich bestimmte Risiken nicht eingegangen bin, weil ich Angst vor dem Scheitern hatte «
Deborah Choi

Die Gründerin, die sich inzwischen mit dem ebenfalls auf Pflanzen spezialisierten Start-up Bosque zusammengetan hat, reagiert nicht nur schnell auf neue Herausforderungen. Sie unternimmt auch viel, um sich und ihr Unternehmen weiterzuentwickeln. Kürzlich nahm sie am Programm »Immersion: Women Founders« von Google for Startups teil. »Ich habe unterschätzt, wie großartig ich mich in Gesellschaft anderer Frauen fühlte, die alle auf einer sehr ähnlichen Reise sind«, erzählt Deborah. »Als ich das Programm verließ, hatte ich ein wunderbares Netzwerk gewonnen.« Zusätzlich lernte sie mithilfe ihrer Mentorin viel über Ziele, Management und strategische Unternehmensentwicklung. Und was würde Deborah selbst anderen Gründerinnen empfehlen? »Riskiere etwas«, sagt sie ohne langes Zögern. »Scheitern gibt es meiner Meinung nach gar nicht. Ich bedaure bis heute, dass ich bestimmte Risiken nicht eingegangen bin, weil ich Angst vor dem Scheitern hatte.«

Die Begeisternde:
Sophie Charlotte Keunecke

» Es ist egal, ob du ein Junge oder ein Mädchen bist. Es kommt nur darauf an, was du erreichen willst und wie viel du dafür tust «
Sophie Charlotte Keunecke

Als kleines Mädchen träumte Sophie Charlotte Keunecke davon, Prinzessin zu werden. Das änderte sich schlagartig, als sie in der Schule neue, faszinierende Welten für sich entdeckte. Mit zwölf hatte Sophie Charlotte bereits ihren ersten eigenen Roboter gebaut. Vier Jahre später leitete sie die Robotik AG und brachte jüngeren Mitschüler:innen das Programmieren bei. An der Fachhochschule kam Sophie Charlotte mit Open Roberta in Berührung. Diese vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme entwickelte und von Google unterstützte Onlineplattform bietet einfachen Zugang zur Welt des Programmierens.

Während ihres Mechatronik-Studiums vertiefte Sophie Charlotte mithilfe der Plattform ihre Programmierkenntnisse. Heute nutzt sie Open Roberta, um vor allem Mädchen an Schulen Robotik näherzubringen und sie für eine Karriere in der Informatik zu begeistern. »Es ist egal, ob du ein Junge oder ein Mädchen bist«, lautet die Botschaft, die sie dabei immer wieder vermittelt. »Es kommt nur darauf an, was du erreichen willst und wie viel du dafür tust.«

Die Mutmacherin:
Anna Vainer

Warum fällt es so vielen Menschen schwer, offen über ihre Leistungen zu sprechen? Weil sie oft viel zu bescheiden sind, findet Anna Vainer, Head of B2B EMEA Marketing bei Google: »In fast jeder Kultur wird Kindern – und vor allem Mädchen – beigebracht, es sei unhöflich, sich selbst zu loben.« Studien haben aber ergeben, dass Mitarbeiter:innen, die ungern über ihre Stärken reden, häufig weniger erfolgreich sind als ihre selbstbewussteren Kolleg:innen.

» Frauen und unterrepräsentierte Gruppen lernen, sich beruflich und privat selbstbewusst darzustellen und ihre Leistungen mit Stolz zu präsentieren «
Anna Vainer, Gründerin von #IamRemarkable

Anna sah immer wieder, dass wegen Bescheidenheit Karrieren gebremst werden und großartige Ideen für immer verborgen bleiben. Deshalb rief sie einen Workshop ins Leben, der genau das ändern möchte: »Frauen und unterrepräsentierte Gruppen lernen, sich beruflich und privat selbstbewusst darzustellen und ihre Leistungen mit Stolz zu präsentieren«, beschreibt Anna die Zielsetzung von #IamRemarkable. Inzwischen hat sie mit ihrem einstigen Nebenprojekt mehr als 185 000 Menschen in mehr als 150 Ländern erreicht. 82 Prozent von ihnen gaben an, sich seit dem Training selbstbewusster zu fühlen. Klar, dass Anna darauf sehr stolz ist – und natürlich gibt sie das auch offen zu.

Die Aktivistin:
Amika George

Amika George war noch Schülerin, als ein Zeitungsbericht ihr Leben veränderte. Sie las, dass viele Mädchen in Großbritannien während ihrer Periode den Unterricht verpassen, weil sie sich keine Hygieneartikel wie Tampons leisten können. Die damals 17-Jährige war geschockt – und wollte diesen Missstand nicht hinnehmen. Also startete sie eine Unterschriftenaktion und gründete kurz darauf #FreePeriods. Gemeinsam mit anderen jungen Frauen und prominenten Unterstützerinnen setzt sie sich seither dafür ein, dass sozial benachteiligte Schülerinnen kostenlose Hygieneprodukte erhalten. »Es muss klar sein, dass alle jungen Menschen gleichberechtigten Zugang zu Bildung verdienen«, erklärt die Aktivistin im Time Magazine, das sie auf die Liste der 25 einflussreichsten Teenager 2018 setzte.

» #FreePeriods zielt auch darauf ab, die Menstruation von ihrem Stigma zu befreien. Wir müssen unsere Periode feiern, anstatt sie zu verstecken! «
Amika George

Für ihr Engagement und die #FreePeriods-Kampagne erhielt Amika noch viele weitere Auszeichnungen. Vor allem aber schaffte sie es tatsächlich, das Leben und die Bildungschancen vieler junger Frauen zu verbessern: Im März 2019 beschloss die britische Regierung, Geld für die Versorgung mit Hygieneprodukten in Schulen bereitzustellen. Für Amika ist die Sache damit aber noch längst nicht erledigt. »#FreePeriods zielt auch darauf ab, die Menstruation von ihrem Stigma zu befreien«, sagte sie in einem Interview mit der britischen Vogue. »Wir müssen unsere Periode feiern, anstatt sie zu verstecken!«

Fotos: Google (2), Biontech (1), Claire Lewington (1), Hulton Archive/Getty Images (1), Mollie Rose (1)

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